Werbung auf Facebook (ertragen)

Facebook ist ein Service, der kein Geld kostet. Wer aber nichts bezahlt, wird oft genug selbst zur Ware. Was Facebook betrifft, gibt es aber doch recht viele Missverständnisse.

Am Wichtigsten: "Täter" und "Opfer"

"Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen." Henry Ford

Erfolglos sind Werbetreibende, die einfach "in die Menge schießen". Aber auch Facebook ist daran nicht ganz unschuldig, wie weiter unten noch erklärt wird. Wer seine Werbung Menschen zeigt, für die sie nicht interessant ist, oder sie täuscht, macht nicht nur sich selbst erfolglos, sondern Werbung im Allgemeinen.

TV Werbung schaue ich mir kaum an. Dank PC-TV "schuttle" ich weiter. Nur gelegentlich sehe ich etwas interessantes - und gehe dann auf Normalgeschwindigkeit. Für mich als Mann sind es OB Tampons sicher nicht.

Aufdringliche Pop Up Fenster, Überdeckte Inhalte, Täuschungen usw. sind Komponenten eines Krieges der eskaliert ist. Immer stärkere Waffen werden aufgefahren, um den zunehmend weniger interessierten Kunden doch noch zu erwischen. Mag sein, dass das noch ein paar Promille bringt. In erster Linie stärkt das aber die Abwehr - Die Werbung gräbt sich selbst das Wasser ab.

Wer Werbung schlampig, ungezielt oder aufdringlich schaltet, ist ein "Täter". Das kann er aber auch nur werden, weil es Opfer gibt.

Als Opfer sehen sich Menschen gerne - wenn es ihnen in den Kram passt. Ein Addblocker z.B. nimmt einer Webseite die oft einzige Einnahmequelle - anschauen möchte man die Inhalte aber trotzdem.

Das ist für mich so, wie einem Straßenmusiker zuzuhören, seine Sammelbüchse aber wegzutreten. Wenn mir etwas nicht gefällt oder zu aufdringlich ist, verlasse ich den Ort und erschleiche mir nicht Inhalte, ohne für den Anblick zu zahlen - und hier ist es ja wirklich nur ein Anblick von Werbung, der nichts kostet. Speziell die kleinen Boxen auf Facebook.

Bei diesem fortgesetzten "Auffahren der immer stärkeren Waffen" ist niemand Gewinner. Werbebanner sind auch eine Art der Abstimmung - klicke ich nicht, taugt es nichts oder ist falsch "gezielt". Blocke ich generell alles, kann ich auch positives nicht "belohnen" und nehme korrekt arbeitenden die Chance, Erfolg zu erzielen.

Die Menscheit hat noch immer nicht gelernt, das man von beiden Seiten aus mit dem Eskalieren aufhören muss und bessere Wege suchen. Ich habe mir angewöhnt, zutreffende Werbung bewußt als solche wahrzunehmen und zu "belohnen". Bei unzutreffender klicke ich ebenfalls, weil ich z.B. auf Facebook direkt einen bissigen Kommentar auf die Seite schreiben kann. Schade, das die wenigsten Leute diese Möglichkeit des Feedbacks nutzen.

Wenn das mal alle machen würden, müßte man schnell nicht mehr so viel unzutreffendes ertragen. Opfer sind aber auch die, die sich generell damit nicht beschäftgien - und jegliches blocken. Die sollten mit TV Werbung nicht unter drei Stunden täglich bestaft werden - denn frustriert von mangelndem Erfolg im Web werden Unternehmen ihr Geld lieber da hinein stecken - zu unser aller Nachteil. Deshalb das Zitat von Ford zu Beginn.

Die Grundsituation eines Werbetreibenden

Werbung dient dazu, an Kunden zu kommen. Jeder, der nicht als Angestellter regelmäßig Geld bekommt, sondern dass für eine Rechnung tut, muss Kunden finden. Sonst hat er bald nichts zu essen.

Wenn der potentielle Interessent nichts von einem weiß, kann er auch nicht zum Kunden werden, logisch. Gilt auch für uns.

Doch wie kann man sich bemerkbar machen? Am besten sind natürlich persönliche Empfehluungen oder Begegnungen, z.B. auf einer Messe. Man kann den Menschen Handzettel schicken oder Prospekte und Briefe. Man kann auch in Zeitungen inserieren.

Alle "breitbandigen" Möglichkeiten haben aber einen Nachteil: Man erreicht auch Publikum, die als Kunden gar nicht in Frage kommen, bzw. kein Interesse haben. Die Zeitungsanzeige z.B. wird ja z.B. von allen Lesern gesehen und kostet Geld. Wir selbst aber richten uns ja nur an Firmen als Kunden.  Warum sollten wir also anteilig auch noch Druckkosten für Gruppen zahlen, die gar keine Kunden werden können, z.B. Rentner oder auch Arbeitslose?

Das nennt sich "Die Zielgruppe erreichen".

Viel schöner wäre es doch, wenn nur diejenigen die Anzeige sehen würde, die als Kunde auch in Frage kommen. Wenn es eine Zeitung gäbe, die z.B. nur unsere Zielgruppe anspricht, wäre das für uns interessanter als eine allgemeine Tageszeitung.

Faktor Internet und Facebook

Diese "Zeitung" gibts - online. In der Anfangszeit des WWW waren das schlicht Websites zum Thema. Passende Druckerzeugnisse sind ein ziemlicher Aufwand, Herstellung, Verteilung etc. Derjenige, der eines herstellt, hat aber den Vorteil, für das Erzeugnis selbst Geld direkt einnehmen zu können.

Online geht das kaum, mangels Bezahlmöglichkeit für kleinere Beträge und Bereitschaft der Besucher. Andererseits kann man mit einfachen Mitteln Websites herstellen, die zielgruppenspezifisch und "speziell" sind. Gesetzt den Fall, ein Arzt spezialisiert sich auf die Behandlung einer seltenen Krankheit. Auf einer Seite darüber wäre es für ihn ideal, als Anbieter gezeigt zu werden.

So wurden die ersten Webebanner "erfunden".  Je genauer etwas die Zielgruppe erreicht, umso besser.

Die nächste "Revolution" war Google. Denn auf Google "erstellt" man sich selbst eine themspezifische Seite - eben durch die Eingabe eins Suchwortes, z.B. den Namen der Krankheit. Oder etwas anderes, was gerade gesucht wird. Google versucht, passend dazu Werbung einzublenden.

Facebook geht ähnlich vor. Da aber hier nicht Worte gesucht werden, auf einem anderen Weg.

Völlig albern sind Vorwürfe, Facebook würde "meine Daten" nutzen. Der Einzelne interessiert überhaupt nicht, bestenfalls wenn die Kripo Interesse zeigt und Daten anfordern würde. Das passiert, aber selten, und Facebook gibt dazu auch Details. bekannt. Ansonsten ist Mark aber völlig egal, was der einzelne tut. Interessant ist die Gruppe, eben die Zielgruppe. Als potentielle Kunden. Das ist womit Geld verdient wird und die Grundlage. Alles andere, sorry, Blech. Es geht nur darum, die passende Werbung zu den passenden Leuten zu transportieren.

Zielführende Werbung am eigenen Beispiel

Da nehm ich als Beispiel mal uns selbst. Unsere Fan Seite hat viele Fans - Geld damit verdienen wir aber nicht direkt. Im Winter schlafen wir aber nun mal gern in einer geheizten Wohnung und essen gern auch täglich. Irgendwo muss das ja herkommen.

Kommt es auch, denn primär haben wir mal angefangen als Firma, die Server für Firmen aufbaut und betreut. Mit der Zeit sind andere Felder hinzugekommen. Facebook ist quasi nur ein "Abfallprodukt", weil wir Dinge durch das Umfeld einfach leichter verstehen können - und es auch Spaß macht, anderen zu helfen.

An die "Brötchen" aber müssen wir trotzdem kommen. Als Kunden brauchen wir Chefs - oder eben Leute, die in einer Firma was zu sagen haben. Und dies in dem Moment, wenn sie a) Einen Server brauchen oder eine neue Webseite oder eine Videoüberwachung oder Hilfe beim Web oder b) mit dem Gegenwärtigen unzufrieden sind. Dies möglichst je nach Aufgabe auch in unserer Nähe, also möglichst im Ruhrgebiet, um nicht permanent reisen zu müssen.

Deshalb brauchen wir Werbung. Also eine Möglichkeit für die entsprechenden Interessenten, uns in dem Moment der Suche nach einem Dienstleister zu sehen. Möglichst aber nur die und nicht andere, da Online Werbung Zeit und Geld kostet. Denn sie nutzt ja eine Plattform, deren Erstellung Geld kostet.

Die Art der Werbung

Wir sind gezwungen, an die Zielgruppe zu "kommen". Die Werbung darf auch nicht so teuer werden, dass die Kosten dafür unsere Einkünfte "auffressen".

Sehr früh haben wir auch Online Werbung genutzt.

Verschiedene Arten von Werbeflächen:

 

Letztendlich ist Online Werbung nach wie vor ein Banner (auch wenn Experten mich für diese Aussage am liebsten steinigen würden) - wenn man ein Banner einfach als eine Fläche sieht, auf der ein Anbieter sein Produkt zeigen kann.

Das "Geheimnis" ist einfach, diese Fläche möglichst nur denen zu zeigen, die auch Kunden werden können. Deshalb wurde Google zum Riesen und auch Facebook so groß.

Zielgruppe finden

Die Systeme, die hinter der Zielgruppenbestimmung liegen, muss man erst mal verstehen. Wer das nicht tut, für den kann es teuer werden. Früher hab ich mal Kurse für Google gegeben.

Wer Anzeigen schaltet, kann das z.B. so verwalten:

Neben anderen Faktoren ist einer der wichtigsten das Keywort (Suchwort). Also das Wort, das jemand in Google eingibt und bei der die Maschine passende Werbung einblendet.

Google Adwords ist ein Auktionssystem. Man "bietet" auf Wörter."Webdesign Essen" wird pro Tag 3 mal gesucht, es gibt also simpel gesagt drei Werbeplätze dafür. Wie man in der Mitte des Bildes sieht, gibt (oder gab) es jemand, der für diesen Platz 0,98 Cent bietet. Ich biete 0,81 und Google zeigt meine Werbung nur auf der zweiten Suchseite.

Bei Facebook wird aber kaum nach Wörtern gesucht. Da muß man sich etwas anderes einfallen lassen. Facebook blendet Werbeanzeigen an verschiedenen Stellen ein. Der Werbetreibende muss bestimmen, WEM das eingeblendet wird, was und in welcher Form.

Die simpelste Methode ist die nach Geschlecht, Ort oder Alter. Jeder gibt in FB sein Alter an, das Geschlecht und auch seinen Ort. Diese Adressierung ist recht sicher:

Da gibt es trotzdem ganz bauernschlaue Leute, die schreiben was falsches rein. Ergebnis: Sie bekommen Werbung, aber eben die falsche.

Nochmal: Dem Werbetreibenden ist es völlig egal, ob Hans Paneslowski eine Frau ist oder nicht. Bei seiner Werbung für z.B. Kosmetik möchte er einfach, das die Anzeige halt möglichst nur Frauen gezeigt wird.

Und auch hier spielt eine Rolle, dass Werbeplätze eine feste Anzahl haben und nicht endlos sind.  Ein Werbeplatz hat einen Preis. Wähle ich den Platz falsch, klickt keiner meine Anzeige oder klickt ohne Ergebnis für mich - und ich zahle.

Wenn man auf Facebook unpassende Anzeigen sieht, ist das erst einmal "Schuld" desjenigen, von dem die Anzeige kommt. Ich hatte als Essener letztens die Anzeige zu einem Disco-Event in Berlin als Werbung - und hab denen auf die Pinwand geschrieben, ob sie wirklich für meinen Klick bezahlen möchten oder sich vielleicht doch besser Gedanken darüber machen, ob ich 350 km dafür fahren würde.

Das ihr völlig uninteressante Werbung seht, ist oft einfach aus dem Grund, das der Unternehmer einfach seine Zielgruppe nicht kennt und nicht weiß, wie man online wirbt. Ist aber nicht Mark Zuckerbergs Schuld.

Mark ist aber ein junger Kerl, ganz begeistert von seinem "Kind", das einmal als ganz kleines Ding in seiner Studentenbude entstanden ist. Er freut sich, wichtig für den arabischen Frühling gewesen zu sein. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie stiefmütterlich eigentlich das behandelt wird, mit dem Facebook sein Geld verdient.

Denn Alter, Ort und Geschlecht sind ja eine Sache. Aber wir wollen ja mehr. Ich hab es ja oben geschildert, was Blenn-Solutions als Kunden "braucht".  So sehen z.B die Kriterien bei dem Manager für Werbeanzeigen aus, wo man die Zielgruppe definiert:

Erst mal ganz nett. Frage Nummer 1 aber: Wodurch kommt überhaupt zustande, dass jemand zur Zielgruppe gehört? Likes der Seite, Fan der Seite? Erfährt man an dieser Stelle nicht. Und wodurch weiß Facebook, das z.B. die Fan Seite "Greenpeace" von Leuten geliked wird, die am Thema Umwelt interessiert sind? Schauen Sie manuell Millionen Fan-Seiten durch?

Genaues verraten sie nicht. Glaube daran, das du deine Zielgruppe triffst, oder lass es. Im Zweifelsfall kann man es schlicht probieren - oder jemanden bezahlen, der sich das Wissen angeeignet hat - oft auch in der Praxis und mit Kosten. Würde so jemand dieses teuer erworbene Wissen kostenlos abgeben? Es kommt auf das spezielle Thema an, ob Facebook "lohnt" oder nicht und wie man damit umgeht.

In meinem privaten Profil ist ja "Geschäftsführer" eingetragen. Doch im Anzeigenmanager kann ich das als Kriterium gar nicht wählen. Was als Unternehmer verfügbar ist sind "Inhaber von Kleinunternehmen". Grade die, die ich nicht brauche. Denn da gibt es für einen Server weder Bedarf noch die nötigen Mittel.

Das ist in vielem so. Man ist erstaunt, wie wenig Facebook eigentlich daraus macht "Datenkrake" zu sein. Es gibt ein Kriterium "Classic Rock". Kauft sich bei Facebook jemand nun die CD jeder Band mit Fanseite und prüft, ob dieses Kriterium erfüllt ist? Ordnen sie nur große Fan-Seiten dem Kriterium zu? Werden Links zu You Tube einbezogen?

Auf mein eigenes Problem bezogen:  "Classic Rock" Fans sind eher ältere. Die wenigsten Leute, die für Firmen Entscheidungsbefugnis haben, sind jünger als 30. Ist es nun intelligent, das als Zielgruppe für meine Anzeige zu nehmen? Oder sehen das nun jede Menge älterer Harz-4 Bezieher, nur weil sie Fans der Rolling Stones sind? Und was ist mit Fans der Gruppe "Dawn Hawk" aus Essen?

Ihr merkt schon, das ganze hat ganz viel mit richtiger Einschätzung davon und letztendlich auch Erfahrung zu tun. Viele Gewerbetreibende verfügen aber nicht darüber. Weil sie denken, das ganze zu verstehen und richtig zu machen - und Facebook ist ja kostenlos und auch fürs Posten braucht man keine Hilfe. Wobei die meisten nicht einmal die Basics erfüllen und Kunden z.B. fragen, auf welchem Weg sie gefunden wurden und das aufzeichnen.

Facebook macht es einem aber auch nicht unbedingt leicht. Früher gab es mal die Option "Fans der xyz Seite" Da haben die Inhaber wohl aber protestiert - wer bietet der Konkurrenz schon gern die passende Werbefläche?

Trotzdem: ein guter Teil der "unsinnigen Werbung" beruht darauf, das Werbetreibende die Funktionen nicht verstehen und "Unsinn" machen. Und da kann man einfach nur der Evolution vertrauen: Das die mit den Jahren aussterben werden, denn die zahlen im Grunde für Unsinn.

Aber auch seitens Facebook sind da einige Punkte, die man als Selbstständiger und Werbetreibender gern anders sehen möchte. "Firmen auf der Suche nach Dienstleistern für Netze und Internet" ist ein Kriterium, dass es nicht gibt. Und das man sich "zusammenbauen" muss.

Schon jetzt aber ist Facebook ein Milliardenunternehmen. Weil Zielgruppen getroffen werden können. Wie gut das funktioniert, kann ja jeder selbst jeden Tag sehen.

Das Ergebnis:

für den der Werbung macht, präsentiert sie sich so:

Dies gilt es, wirkungsvoll einzustellen. Deshalb muss man sich damit beschäftigen. Aber Facebook gibt auch dem Nutzer einige Möglichkeiten, zu steuern ob er Zielgruppe ist.. Die einfachste ist der Pfeil neben jeder Anzeige "Das möchte ich nicht sehen".

Eingebaute "Gegenwehr"

Facebook hat Vorteile - auch zum eigenen Nachteil. Zum einen kann man dem Werbetreibenden  sofort auf der Seite kommentieren. Ist die Werbung falsch gezielt wird das evtl. Motiv für eine Korrektur -  kommentiere ich bissig irreführendes oder fehlerhaftes, so kann der Werbetreibende das nicht verhindern - außer er blockt mich im Nachhinein.

Bei Google kann ich klicken und Kosten verursachen - auch eine Methode, lästige Werbung zu "bestrafen". Bei Facebook kann ich die Anzeige selbst, bzw. den kompletten Werbetreibenden verbieten.

Klar macht das Facebooks Maschine effektiver. Finde ich aber jetzt auch nicht unbedingt soo schlimm. Seitdem ich so vorgehe, wird es für mich besser - in 14 Tagen will ich einen Weg wandern gehen, den ich durch eine Facebook Anzeige gefunden habe.

Ein persönliches Statement: Die Werbe-Verweigerer

In diesem Artikel alle Fakten und Details genau aufzuzählen, würde ihn endlos verlängern. Aber eines sollte man auch so erkennen: Der einzelne ist nur als Teil einer Gruppe interessant.

Ich bin auch Teil einer Gruppe: Derjenigen, die Werbung betreiben. Kunden müssen erst mal zu welchen werden. Deshalb mache ich Werbung.

Es gibt eine Sorte von Menschen, die möchte ich gar nicht erreichen: Die, die meinen alles muss kostenlos sein. Ich stehe morgens auf und tue etwas, das jemandem nützt. Mir selbst nützen andere auch. Zum Beispiel die Crew von Facebook. Sie arbeiten auch mit an einem System, mit dem ich neue Kunden finden kann. Bezahlt für Arbeit werden muss jeder. Das Geld verdient die Plattform mit Werbung.

Bei uns hörten wir schon die verschiedensten Meinungen dazu. Man wird "belästigt" durch Werbung. Rechts der Bereich hat 250 Pixel Breite und besteht nicht vollständig aus Anzeigen. Keine davon "wackelt" aufdringlich oder gibt selbsttätig Töne von sich. Es gibt Leute, die möchten den Service aber gerne nutzen ohne Werbung. Die blenden mit einem Ad Blocker Werbung aus.

Wer die kleinen Werbebildchen als unerträglich betrachtet und sich beschwert, den möchte ich nicht als Nachbarn haben. Denn der beschwert sich auch, wenn wir 1 x  im Jahr im Garten grillen. Oder bei der Polizei über ein Open-Air, weil es bis 22:10 Uhr Musik gibt.

Diese Menschen fühlen sich moralisch "im Recht", weil ihr Leben ja unerträglich belastet ist. Darum aber wird es mit solchen Menschen nie Dinge geben, die nützlich werden könnten. Denn es gibt ja zum Beispiel im Web auch eine Form der Werbung, die sie sogar willentlich aufsuchen: Vergleichsplattformen, z.B. für Hotels, Flüge oder ähnliches. Die aber funktionieren meist primär über den Preis: Der Billigste gewinnt.

Über diese minimale Anforderung gehen die meisten Plattformen mittlerweile hinaus: Kundenrezensionen, Statements etc. Weil eben ein Faktor noch viel wichtiger ist als der Preis: Das menschliche Urteil.

Werbeanzeigen für das Billigste funktionieren immer. Diesen Preis rein und es klappt. Ich aber werbe zum Beispiel nicht mit dem Preis. Weil in meinem Gewerbe ein günstiger Preis verrät, das man Dumme als Zielgruppe hat. Billig ist ein Netzwerker dann, wenn er keine Zeit aufgewendet hat, sich mit den Dingen zu beschäftigen. Das tut er dann im Notfall - der auftritt weil mangels Erfahrung und teurer Ausbildung nicht vorgesorgt wurde. Evtl. "versägt" er es dann auch noch.

Mir ist am liebsten, wenn jemand diese Erfahrung bereits gemacht hat. Mit dem brauche ich mich nicht mehr primär über Preise unterhalten - ein Verlust kann wesentlich teuerer sein.

Was ich aber brauche ist die Möglichkeit, mich mit ihm generell zu unterhalten und ihm unsere Tätigkeit vorstellen zu können. Ich muß mich ihm zeigen - und das geht auch online.

Jeder Mensch, der lebt, ist immer auch für jemand Kunde - weil er eben bis auf wenige Ausnahmen auch etwas kauft und Geld ausgibt. Würde mir Facebook bei REWE zeigen: Beim Händler soundso gibt es die Milch 10 Cent günstiger: Dann gäbe es niemanden mehr, der so dumm wäre einen Werbeblocker zu nutzen.

Das die billige Milch aber voller Chemie ist und man beim Urlaub nur noch arme Menschen und verwilderte Gegenden vorfindet, weil unfaierer Handel ganze Regionen in die Pleite treibt, das ist ein Entscheidung, die der Kunde selbst treffen muss.

Also mich stört weder das Open-Air Konzert, noch ein schreiendes Baby, wenn es das nicht grade im Kino tut, noch stören mich die paar Werbebanner auf Facebook. Man kann anderer Meinung sein - zustimmen würde ich dem aber nicht.

Als Kunde bin ich eigentlich ganz froh, Möglichkeiten zu kennen. Das gute Restaurant, ein tolles Urlaubsziel in meinem Etat, schicke Klamotten - Werbung zeigt mir einfach Anbieter.  Und egal was ich kaufe - je mehr Anbieter ich kenne umso besser.

Werbung per se ist überhaupt nichts schlechtes - sie wird leider noch viel zu oft einfach schlecht gemacht - wie ein Kind eben, das laufen lernt. Und Internet ist nun mal ein Kind, das es erst vergleichweise wenige Jahre gibt - mal sehen wann es die Milch App geben wird. Und auch dann darf man seinen Verstand nicht ausschalten.

Zum Beispiel auch bei Blockern. Manches wird ja doch "durchgelassen" - vielleicht weil der Werbetreibende den Hersteller des Blockers auch dafür bezahlt hat. Denn - wovon leben eigentlich Programmierer eines Blockers - Wohlfahrt?

Für das Werbefernsehen gibt es auch einen Add-Blocker: Stecker rausziehen. Und diese Werbung ist wirklich schlecht gemacht: Ich bin nun wirklich kein Kunde für Schminke, obwohl mir dieser Mist ellenlang vorgesetzt wird. Werbung im Web ist dagegen schon ein Fortschritt. Wenn auch oft noch unpassend.

Seht es an mir: Ich möchte für Menschen arbeiten, denen ich nützlich bin. Dazu müssen diese Menschen aber erstmal erfahren, dass es mich gibt. Und wenn Mark mit seinem Facebook dafür sorgen kann, geb ich ihm gern was ab. Und bin auch nicht neidisch, dass daraus ein Milliardenkonzern geworden ist.

Man kann anderer Meinung sein. Es gab bei Einführung der Eisenbahn Kritiker, die fürchteten bei 100 km/h an der Wand eines Zuges zerquetscht zu werden. Falls jemand mir plausibel eine berechtigte Kritik kommentiert, nehme ich das gern in den Artikel auf.

Die Gefahren

Die offensichtliche zuerst: Die für Werbetreibende. Erst einmal besteht die Gefahr, Geld für Nichts auszugeben. Weil man nicht versteht, wie das System funktioniert, seine Kunden nicht kennt oder schlicht Erfolge nicht kontrolliert.

Gerade ich als jemand, der selbst Werbung schaltet, finde den letzten Punkt sehr wichtig. Was nützen mir 100 Klicks, wenn niemand anruft? Auch Kontrolle braucht ein System, bzw. einen Dienstleister, der weiß wie sie durchzuführen ist. Die glaubwürdigste Statistik ist die eigene.

Es gibt auch noch anderes: Was passiert, wenn Konkurrenten zuhauf auf Werbung klicken und horrende Kosten verursachen? Ein Kundiger wird die richtige Antwort haben. Damit der Artikel nicht zu lang wird, schreibe ich diese hier nicht mehr hinein.

Die Gefahren für Nutzer:

sind oft genug falsch dargestellt. Die Information über Gewohnheiten und Eigenschaften fest mit Personen verknüpfen zu können, ist der Traum jedes Werbetreibenden. Wahrscheinlich der Hauptgrund, warum es Google Plus gibt. Denn bis dahin konnte Google mit dem Cookie lediglich feststellen, das an diesem Computer jemand Uhren gesucht hat - ob Männlein oder Weiblein aber nicht. Oder nur dadurch, das von dort auch Seiten mit Frauenthemen besucht wurden - vielleicht war es aber doch ein Mann, den die Schminktips interessiert haben.

Durch die sozialen Netzwerke weiß ich es aber genau - sogar mit Namen. Wobei der Namen am wenigsten interessant ist.

Denn wie oben schon erklärt: Wichtig ist allein die Gruppe. Schade wenn du Bauschmerzen hast - ich brauch aber mindestens 100 Leute, die meine Anzeige sehen, um eine Anzahl Käufer für mein Magentonikum zu finden.

Deshalb ist es auch ausgesprochen dumm, die Sicherheitsmaßnahme fürs Konto falsch einzuschätzen. Facebook die Handynummer zu übermitteln, damit sie einem einen Pin Code zur Nutzung senden können, führt nicht dazu, das man Werbeanrufe bekommt.

Das zu denken ist dämlich. Und dämlich wär auch Facebook - erfährt der Betroffene, dass das durch Facebook passiert, würde er sein Konto wohl löschen. Oder der Seite jedenfalls keine persönlichen  Informationen mehr anvertrauen - das Vertrauen wäre hin. Das so etwas nicht rauskäme, glaubt nicht mal Mark - auch er liest die Zeitungsberichte über Snowden - und kann einem Täter nicht mal jahrzehnte Gefängnis androhen. Mark wäre dumm, Telefonnummern zu verkaufen oder für etwas anderes zu nutzen, weil er das Vertrauen verlieren würde.

Aber: Von der Nummer einer Prepaid Karte wurde kurz vor dem Anschlag bei Osama angerufen. Obama würde sicher alles in seiner Macht stehende tun, um das damit verknüpfte Facebook Konto zu ermitteln. Und Obama hat Macht - sein Vorgänger schickte Verdächtige nach Guantanamo. Und Menschen, die staatlicher Macht ausgesetzt sind, sieht man schon bei deutschen Steuersündern zittern.

Und auch wenn es nicht die allseits präsente Staatskeule ist: In Demokratien unterliegen die wenigstens noch einer gewissen Kontrolle. Was aber ist mit der Wirtschaft? Facebook arbeitet mit Aktionären und die möchten Geld verdienen. Das dieser Wunsch auch völlig unabhängig von Moral umgesetzt werden kann, braucht wohl nicht extra geschildert zu werden.

Zugegeben: In manchen Ländern ist "Big Brother" Realität. Internet und Computer sind noch sehr junge Erfindungen - wir befinden uns nicht in Mittelalter, sondern in der Antike - und da wurden Christen den Löwen vorgeworfen und politische oder sonstige Führer schlicht ermordet, um Karriere zu machen.

Das Unternehmen über Personendaten verfügen, ist Begleiterscheinung jeder Neuerung. Erst seit Erfindung des Telegraphen und Telefons kann man Gespräche mithören, ohne selbst am Ort zu sein.

Erst seit Erfindung des Computers gibt es die Rasterfahndung. Prima, das du dich im Urlaub in einem moslemischen Land warst - als Alleinreisender unter 20 mit Migrationshintergrund und religiösen Freunden bist du verdächtig.

Aviel bedeutet: "Gott ist mein Vater". Pech gehabt, das der NSA Mitarbeiter dies statt als jüdischen als moslemischen Vornamen eingestuft hat - sag die Afghanistan Reise besser ab. Oder poste sie nicht in Facebook. Und wenn der Handy Turm in deiner Heimat Indien ausgefallen ist und das Ding dich im Turm von Paksstan einloggt oder du mit dem Flieger nur drüber fliegst - achte auf den Ort, von dem du postest.

Wie gesagt, Science Fiction. Ich berichte aber aus der Sicht eines "Opfers" einer Google eigenen Rasterfahndung: Auf unseren Webseiten findet ihr keine Google Werbung - weil unser Konto lebenslang für jegliche Webseite gesperrt wurde - wir hatten es sechs Jahre lang. Warum haben wir nie erfahren - und hatten auch nie die Chance auf ein faires "Verfahren". Der  "Richter" hat ohne unsere Stimme zu hören entschieden. Vermutlich hat eine der über 6000 Seiten auf Ruhrlink.de erotische Inhalte gehabt. Die bei unserer Kontrolle der Anmeldung so nicht vorhanden waren. Wir haben zuvor schon mal für etwas ähnliches eine Abmahnung erhalten - und die Rubrik Dienstleistungen -> Erotik daraufhin vollständig gelöscht - Werberichtlinie.Oder jemand hat sein Botnetz getestet und künstliche Klicks ausgelöst - ein Erpresserschreiben ist vorher aber nicht eingegangen.

Tja, Pech gehabt. Für meine Google Kurse mache ich seitdem aber auch keine Werbung mehr -  erst als Opfer einer Rasterfahndung schätzt man die Dinge richtig ein. Es ist gut, das wir direkt mit Google keine Einnahmen erzielen - als Lebensgrundlage wäre das gefährlich - wie Google selbst. Die eben selbst so gehandelt haben. So kam ich zu Facebook - mit dem Wissen, das das bei allen großen Konzernen passieren kann. So was verkaufe ich doch keinem Menschen ohne eindringliche Warnung. Ich bin gegen Google oder Facebook Software für staatliche Aufgaben.

Die Erkennung der Zielgruppe kann Fluch wie auch Segen sein. Ich nutze keinen Ad-Blocker - und lande trottzdem nicht Gefängnis auf Kuba. Ich glaube aber daran, das mir Online Werbung irgendwann einmal etwas zeigt, das ich genau in dem Moment brauche - und das ich darüber erst kennengelernt habe. In vier Wochen gehe ich wandern - auf einem Weg, für den in Facebook geworben wurde.

Was die Menschheit daraus macht, wird erst die Zukunft richtig beurteilen können. Ich persönlich jedenfalls bin froh darüber, das die meisten doch mit dem Zug gefahren sind. Obwohl die Gefahr bestand, bei mehr als 100 km/h an der Wand zerdrückt zu werden. Und einige auch ausgeraubt wurden oder aus Türen rausgefallen sind während der Fahrt. Fortschritt schmerzt.

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