Eigentlich ist mein Beruf ein anderer. Automatisch komme ich aber auch mit anderen Themen in Kontakt. Hin und wieder nehme ich mir einfach die Zeit.

Schon öfter hatte ich es mit Stalking Opfern zu tun. "Auf der Plattfomr xyz hat xyz folgendes gemacht....". Aus diesen Gesprächen hat sich eine Sichtweise entwickelt, die ich hier einmal schildern möchte, weil sie Menschen helfen könnte.

Die "Opfer"

Die überwiegende Mehrheit Betroffener meiner Kontakte sind Frauen. Es gab auch Männer, aber deutlich weniger. Ich schließe daraus, das zum einen Sensibilität eine Rolle spielt.

Zum anderen sind es Personen mit einem guten Vorstellungsvermögen.

Die Täter

Kein Mensch bei guter, psychischer Gesundheit wird Stalker.

Auch vor Erfindung des Internets gab es den Tatbestand der "üblen Nachrede". Diese ist heute aber viel leichter zu bewerkstelligen: a) Der Täter hat die Möglichkeit, anonym zu bleiben, b) da dies quasi "geheim" vor den Augen dritter im "stillen Kämmerchen" passiert, vermeidet man auch das unmittelbare Feedback persönlich anwesender Personen.

In früheren Zeiten hätte sich niemand auf dem Wochenmarkt auf ein Podest gestellt und übelste Beschimpfungen und Nachreden an die Menge verkündet. Das Publikum hätte den Kopf geschüttelt, persönliche Bekannte oder gar die Polizei hätten ihn an seinem Tun gehindert.

Das nennt sich "soziale Kontrolle". Im Internet ist es aber möglich, jedwede persönlichen Defizite auszuleben, ohne der Kontrolle ausgesetzt zu sein. Stalker gab es schon früher - durch das Internet muss man aber nur noch wenig Mut aufbringen, um das ausleben zu können. Stalking als massives Phänomen ist eines der Neuzeit.

Allen Tätern ist gemein, das sie sich im realen Leben als klassische "Würstchen" erweisen. Entweder sieht man das schon am Profilbild, das z.B. optische Defizite offenbart. Sehr oft aber ist bei persönlicher Begegnung auch bemerkbar, das diese Personen ein Machtdefizit haben - eine Autorität stalked nicht.

Einem Opfer muss ich als erstes klar machen, das der Gegner minderwertig ist. Im realen Leben sind Stalker wenig anerkannt und haben psychische Defekte. Solche Menschen suchen und haben hauptsächlich keine Freunde, sondern Leidensgenossen. Sie bilden Leidensgemeinschaften, keine Lebensgemeinschaften, und die soziale Bindung beruht auf der Gemeinsamkeit des Schadens.

Stalking im Internet ist kein Verhalten von netten und erfolgreichen Menschen. Wer im Internet stalked, ist schlicht ein menschliches Würstchen.

Die "Interaktion"

Dem psychisch defekten Menschen fehlt das Element der Beruhigung. Er kann sich in eine Sache aber hineinsteigern bis zum Wahn. Für sich selbst sieht er sich "im Recht", was bei sozialer Kontrolle relativiert würde. Da das fehlt, sieht er selbst seine völlig ungerechten und perfiden Handlungen als vollkommen korrekt an und ein Unrechtsbewußtsein existiert nicht.

Die Reaktion des Opfers

Eigentlich das Entscheidende. Der Täter führt etwas aus, das Opfer reagiert. Er bemerkt, das er Macht gewinnt. Diese Macht gibt ihm das Gefühl der Befriedigung. Gleichzeitig ist die Reaktion  aber gegen den Täter gerichtet. Man widerspricht seiner Äußerung, stellt sie in Frage oder reagiert angegriffen.

Diese Reaktion "stört" seine Befriedigung. Diese "Niederlage" betriff seine Person als Ganzes. Oben beim Täterprofil sind solche Menschen ja schon geschildert. Wer beim Fussball verliert, ärgert sich. Wer aber permanent alle Fussballspiele verliert, fühlt sich als Versager - und jedes Fussballspeil erinnert daran. Das Opfer löst in solchen Menschen einen tief in Unbewußten liegenden Reflex aus.

Ohne es zu wissen, wird das Opfer zur Verkörperung von allem, was dem Täter schlechtes widerfahren ist. Der Täter wird wütend. Wut dient in der Natur dazu, sich körperlich zur Wehr zu setzen. Selbst der friedlichste Hund beginnt zu beissen, wenn er permanent mit einer Nadel gestochen wird.

Beim Menschen in der modernen Zeit kann diese Wut nicht körperlich ausgelebt werden. "Den Gegner am Kragen packen" - der typische Stalker tut dies im realen Leben niemals - oder hat es versucht und dafür Restriktionen der Gesellschaft erlitten.

Ein Stalker ist jemand mit dünner Haut, für den schon das streicheln mit einer Feder sich wie Stiche einer Nadel anfühlt.

Macht durch Stalking

Der Täter ist jemand, der unter Defiziten leidet. Das Weltbild ist einfach und fest gefügt. Er kann in der Gesellschaft als durchaus normal gelten, solange nichts seine Defizite zutage fördert.

Opfer wird eine Person, deren Eigenschaften mit den Defiziten zu tun hat. Der verlassene Ehemann oder Freund empfindet sich als wertlos, da sein ohnehin angeschlagenes Ego die Form der Abwertung nicht verträgt. Die häßliche Frau empfindet die Schöne als Bedrohung, da männliche Kandidaten "solchen" lebenslang den Vorzug gaben. Der Schulversager ist ein Entwerteter, für den im Recht zu sein eine hohe Bedeutung hat.

Der Täter ist alles andere als in einer Machtposition. Aber plötzlich kann er Macht ausüben. Er kann das Opfer steuern wie eine Nachttischlampe - drücke einen Schalter und es folgt eine Reaktion. Der verlassene Mann kann die Frau nicht dazu zwingen, das sie ihn liebt. Diese Macht hätte er gern. Man gibt einem Täter aber eine Macht, indem man ein Reaktion zeigt. Vieleicht nicht die Macht, die er gerne hätte - aber eben generell eine Form davon.

Er hätte gern die Macht, damit das Opfer auf den Knien vor ihm liegt und um Gnade bettelt. Das bekommt er nicht. Aber er bekommt eine bestimmte Macht - darüber gewisse Reaktionen doch erzeugen zu können - auf Knopfdruck.

Aufgrund seiner psychischen Defizite ist er nicht in der Lage, das zu differenzieren. Für ihn ist es schlicht Macht. Macht eines Unfähigen, der das als solches gar nicht wahrnehmen und bezeichnen kann. Er fühlt sich schlicht "im Recht". Und befriedigt, wenn er dem Geltung verschaffen kann.

Die "normale" Macht

Macht über andere Menschen hat üblicherweise zwei Komponenten. Das ist die Bestrafung, aber auch die Belohnung. Wir gehen zur Arbeit - obwohl wir viel lieber ausschlafen und dann ins Freibad gehen würden.

Wir erhalten aber eine Belohnung. Die wir auch anstreben. Soziale Anerkennung, finanzielle Mittel, das Haus, Auto oder der Urlaub.

Die Bestrafung tritt ein, wenn wir nicht arbeiten gehen. Sozialer Abstieg, Armut, fehlende Anerkennung.

Die normale Triebfeder im Leben des Menschen besteht daraus, das beide Faktoren enthalten sind. Diese Macht ist im Leben etwas normales und findet sich eigentlich überall und als häufigste Motivation.

Krank ist eine Macht, die nur aus Bestrafung besteht. Im menschlichen Leben tritt so etwas aber durchaus auf. Es ist eine Form der Macht, die es gibt, nicht nur bei Stalkern. Häufig ist Angst ihr Mittel. Der brutale Zuhälter übt Macht aus. Nicht weil er serienmäßg jeden Tag einer Prostituierten das Gesicht zerschneidet -  seine Macht beruht darauf Angst davor verbreiten zu können.

Was kann man tun?

Erster und wichtigster Schritt ist, dem Opfer diesen Sachverhalt bewußt zu machen. Das Opfer ist verletzt und hat oft genug Angst. Die gezeigte Reaktion ist aber Zeichen für den Täter, Macht ausüben zu können.

Feststellung des Sachverhaltes

Zunächst einmal muss man sich selbst klar darüber werden, was eigentlich die Tatsachen sind.

Das Opfer beschreibt die Taten des Täters - Opfer tun das oft unter hohem Druck, der "raus" muss. Neutral betrachtet ist es aber immer eine Interaktion zwischen zwei Personen - und neben der Aktion gehört auch immer die Schilderung der Reaktion des Opfers hinzu.

Es hat sich bewährt, dem Opfer die Person des Täters mit all seinen Defiziten vor Augen zu führen. Der Täter ist kein bedrohlicher Übermensch, den man nicht kennt und der deshalb Angst einflößt. Der Täter ist eine kleine Wurst, die feige ist - zu feige um persönlich vor der Tür zu stehen und zuzuschlagen. Denn das muss er als Person machen - und diese Person ist eine Null. Deshalb tut er das per Internet.

Wie gesagt ist diese Person wütend. Aber auf etwas, das mit ihr selbst nicht stimmt, und von dem letztendlich das Opfer zur Verkörperung wird.

Es ist durchaus möglich, das sich das bis zum konkreten, körperlichen Übergriff steigert. In diesem Moment aber schädigt der Stalker nicht nur die andere Person, sondern geht auch die Gefahr des eigenen Schadens ein - bestraft zu werden. Was das Gefühl der eigenen Machtlosigkeit verstärken würde.

Stalker sind feige - sonst würden sie nicht stalken. Sie erzeugen Angst vor Schlimmeren - würde das aber passieren, wären täglich hunderte von Morden in der Zeitung.

Mythos IP Nummer

Viele mißverstehen die IP Nummer und denken, sie ist wie die in einem Personalausweis. Man muss nur an die IP Nummer kommen und schon ist jemand identifiziert.

Das ist sogar ein mehrfacher Irrtum. Denn "nur" drankommen geht in den seltensten Fällen. Nicht nur Faceboook fühlt sich sogar verpflichtet, keine Nutzerdaten weiter zu geben. Etwas wie eine IP Nummer oder auch andere Daten werden grundsätzlich nur an die Polizei herausgegeben, wenn konkret etwas vorliegt. Dafür gibt es eine eigene Seite für Strafverfolgungsbehören.

Die IP Nummer selbst wäre aber meist auch keine konkrete Identifikation. Im Web haben nicht Personen so eine Nummer, sondern Geräte. Also z.B. jeder Web Server oder eben auch jedes Modem - beim Internet Provider.

Der Router von Zuhause aus verbindet sich jedesmal damit. Das wird aber bei den meisten Providern nach 24 h getrennt und neu aufgebaut. Eine IP Nummer die sich nicht ändert, gibt es nur gegen Aufpreis, um z.B. eine Vdeoüberwachung permanent erreichbar zu machen. Kaum jemand hat das.

Bei den meisten wechselt die IP Nummer täglich. Selbst wenn man von Facebook diese Nummer erhalten könnte, müßte man beim Provider "zuhause" zusätzlich erfahren, wer um diese Zeit mit dem Modem verbunden war. Und das geben die Provider ebenfalls nicht ohne weiteres heraus, sondern nur auf Gerichtsbeschluss.

Spätestens hier wird das wichtig, was einen Absatz höher geschildert wurde. Entweder es handelt sich bereits um eine konkrete Tat oder es handelt sich nur um Belästigung.

Vom einzelnen wird die Stärke erwartet, eine Belästigung zu ertragen, ehe die Privatsphäre jemand anderes angetastet wird, die in Demokratien ja einen hohen Stellenwert hat.

Der Ruf nach technischen Mitteln hat also seine Grenzen. FB erlaubt, jemand anders zu blockieren - das war es dann erstmal.

keine Macht geben

erster Schritt ist das Bewußtsein. Der Stalker gewinnt Macht, weil das Opfer eine Reaktion zeigt. Der Stalker hat die Macht, Reaktion zu erzeugen. Diese Macht muss man ihm nehmen.

Dazu gehört auch Selbstbewußtsein. Erklärungen oder Verteidigungen sind gar nicht notwendig. "Das ist nicht so." reicht. Die eine Person behauptet, die andere widerspricht. Für einen Außenstehenden sind beide Stimmen gleich.

Oft haben Opfer aber das Bedürfnis, sich zu erklären oder ausführlich verteidigen zu müssen. Das gibt dem Stalker Macht. Diese Macht sollte man ihm nehmen.

Deswegen gar nicht oder nur kurz antworten: "Stimmt nicht."

strafrechtlich relevant?

Interessant ist auch die Frage, ob strafrechtlich dadurch eine Tat entsteht. Das geht mit der Hilfe eines Anwalts. Der versucht schon aus beruflichen Gründen den Sachverhalt zu erkennen.

Das Opfer aber sieht seine Situation aus eigener Sicht. Ein Anwaltsbesuch kann frustrierend sein, weil das Opfer nicht die Hilfe findet, die es sucht. WEIL der Anwalt so vorgeht.

Dem Anwalt geht es nicht darum, festzustellen das der Stalker ein Schwein ist. Er sucht nach einer Handlung, die vom Gesetzgeber verboten wurde und bestraft werden kann.

Liegt keine vor, dann darf der Stalker das. Das ist so. Und es ist so, weil das Opfer es zuläßt. Es fällt schwer, sich das einzugestehen. Stalking geht nicht ohne Täter - aber es geht auch nicht ohne Opfer.

Wird so ein Sachverhalt aber festgestellt, kann man sich es überlegen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung ist erst einmal eine Entmachtung - der Täter muss sie ertragen. Mangelnde Macht ist aber seine Triebfeder.

Das Opfer strebt die Entmachtung des Täters an. Würde der Täter von einem 2 Meter grossen Bodyguard verprügelt, wäre es das. Vielleicht würde es aber schon reichen, wenn das Opfer dem Täter selbst die Macht nehmen würde - einfach durch die fehlende Reaktion. Schwer durchzuhalten - aber darauf spektulieren Täter ja.

Stellvertretender Machtenzug durch Dritte, eben die Justiz, ist ein Schritt, den Opfer mögen aber trotzdem meiden. Das hat aber auch mit einem unbewußten Schuldgefühl zu tun. Denn das Opfer läßt die Macht des Täters ja auch zu.

Frustrierend für Opfer ist auch, das die gewünschte Strafe oft nicht stattfindet oder nicht mit der "gebotenen Härte". Der Täter kommt gut weg.

Irrtum. Wenn die Taten so schwerwiegend werden, dass die Justiz aktiv wird, dann wird dem Täter bereits Macht entzogen. Er muss tun, was andere sagen. Er muss sich einen Anwalt nehmen. Er muss sich erklären. Er muss zum Termin kommen. Er verliert die Macht über sich selbst duirch Stärkere.

Selbst nach einem milden Urteil hören viele Stalker auf. Weil sie merken, das ihr Verhalten nicht zu Machtzuwachs führt, sondern zu Machtverlust.

Auf Facebook

In jedem Profil gibt es rechts bei den Schaktern ein Zahnrad, mit dem man jemanden melden oder blockieren kann. Dieser Nutzer kann dann vom eigenen Profil nichts mehr sehen, als würde es nicht existieren. Allerdings ist ein zweites Profil schnell erstellt und wenn derjenige sich Facebook abmeldet anschaut, sieht es alle öffentlich, also z.B. Profil & Titelbild. Einfach selbst mal das eigene Profil abgemeldet anschauen.

Aber Name wie auch Bilder lassen sich ändern. Überstürzte oder panische Reaktionen sollte man jedoch vermeiden.

Am besten

Am besten aber, wenn das Opfer dem Täter schlicht keine Macht gewährt. Wenn man sich vor Augen führt, wie klein die Täter sind und welch minderwertige Wesen, fällt das leichter.

Auf Stalker reagiert man nicht. Sie lieben es, endlich jemanden zu finden, der Reaktion auf ihr wirres Zeug zeigt. Die Reaktion werten einen minderwertigen Charakter erst auf.

Wer reagiert auf den Spinner "Aliens schaden den Menschen."? Aber auf den Spinner, der behauptet "Du schadest den Menschen" wird reagiert, er wird ernst genommen.

"Den Menschen schaden" kann vieles bedeuten. Ein Stalker lobt ja nicht, er macht nieder. Mit Lügen oder verdrehten Tatsachen. "Tatsachen" wieder "grade" drehen zu wollen, ist ein Erkennungszeichen von Opfern.

Deshalb meine wichtigste Botschaft: Gebe dem Spinner nicht die Macht, dass er sich von dir ernst genommen fühlt. Denk dran, das der ein niedriges Würstchen ist, dem du durch deine Reaktion erst Gewicht gibst. Er behauptet etwas - und du reagierst. Weil du regierst, muss ja an seinen Behauptungen etwas dran sein.

Die einzige Denkweise, die dritte überhaupt haben könnten. Ohne Reaktion ist das das Gelaber eines Spinners oder wenigstens eine unbewiesene Behauptung. Auch wenn die Behauptung beleidigend oder ehrenrührig ist - es ist noch immer nichts als eine Behauptung.

Antworte mit einem einzigen Satz, statt richtig zu stellen. Antwort "Das stimmt nicht." Und antworte gleich, immer wieder. Gebe dem Spinner nicht die Macht, in dir eine Reaktion zu erzeugen.

Spinner hören dann auf. Und in ein paar Jahren mit dem nötigen Abstand wirst du erkennen, das das kein gefährlicher Gegner war, sondern eine kleine Wurst, die um Macht bettelt.

Macht habe ich, wenn ich auf Knopfdruck Wut, Angst oder Verteidigung bei dir erzeugen kann. Habe ich Macht über dich, schläfst du schlecht. Es geht dir im Kopf herum. Ich bestimme dein Leben und wie du dich fühlst. Du tanzt, wenn ich dich tanzen sehen will. Ich bin dein Satan. Weil du selbst nicht den Spinner hinter der Maske siehst.

Gib Stalkern keine Macht über dich und dein Leben.


 

 

 

 

Powered by Web Agency
1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 4.26 (31 Votes)