Einer der meist besuchten Texte hier ist der "Zauberkasten" unter Anleitungen.  Eine der häufig gestellten Fragen hier ist, warum man in Google das eigene Profilbild findet, obwohl man in der Privatsphäre bei Anwendungen die "öffentliche" Suche deaktiviert hat. Es ist vielen Unbehaglich, das Dinge zur eigenen Person im Internet zu finden sein sollen.

Wer diesen langen Text nicht lesen mag, findet am Schluss konkrete Tips.

Das Denken des vorigen Jahrhunderts

vor dem 20. Jahrhundert konnte man über einen anderen Menschen nur etwas erfahren, wenn man ihn selbst oder andere kannte. Oder Zugang zu Papier bekam, auf dem etwas über ihn stand. In der Mitte des 20 Jahrhunderts wurde die EDV erfunden, eigentlich schon früher. Aber die Nutzbarkeit war zunächst eingeschränkt. Nur "Berechtigte" hatten Zugriff zur elektronischen Datenspeicherung, mußten Staatsbedienstete sein oder Polizisten, um auf dem schnelleren Datenweg statt über Nutzung von Papier zugreifen zu können.

In einer Demokratie wird hinterfragt und diskutiert. Eben auch über das Mißtrauen, was man den Personen entgegenbringt, die oben genannt wurden. Anfang der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es aufgrund dessen einen Protest gegen eine staatliche Volkszählung, an dem sich viele Menscheh beteiligten. Im kollektiven Gedächnis gerade der Deutschen findet man deshalb noch ein tiefverwurzeltes Mißtrauen dagegen, Daten über sich selbst preiszugeben.

Als dann, zunächst durch Mailboxen und AOL, später dann durchs Internet, sich auch Privatpersonen im Datenraum bewegen konnten, war diese Einstellung deutlich zu spüren. Nicknames waren an der Tagesordnung, höchst selten schrieb jemand mit seinem wirlklichen Namen.

Selbst heute gibt es viele Nutzer auf Facebook, die nicht mit ihrem richtigen Namen hier eingeloggt sind. Auffällig ist, das das Bedürfnis umso höher ist, je bewußter eine Person die Diskussionen der 80 Jahre erlebt oder sogar mitgestaltet hat.

Die Gefahren

im Prinzip haben die Menschen Recht. Wie oft ist es schon passiert, das ein Datenschnipsel im Internet oder anderswo für die betroffene Person zu massiven Nachteilen geführt hat? Sei es ein Foto, sei es ein unbedachter Kommentar, im Internet ist es kinderleicht an Informationen zu kommen.

Nehmen wir eimal ein ganz einfaches Beispiel: Fahndungen der Polizei. Hier werden vorhandene Datenbestände nach gleichartigen Merkmalen durchsucht. Nach solchen Maßstäben ist ein jüngerer Mann arabischer Abstammung, der nach Afghanistan reiste, verdächtiger als ein deutscher Renter, der aus Mallorca zurückkehrt.

Bei Randale auf dem Fußballplatz ließe sich das weiterdenken, indem man das Raster auf Männer unter 40 legt, die sich für Fußball interessieren und ein Zugticket im Bahnhof der Stadt mit Karte bezahlt haben.

Letztendlich legt sogar die Wirtschaft diese Raster an. Wohnt man im falschen Stadtteil und hat einige andere Eigenschaften, bekommt man einen Kauf auf Rechnung online erst gar nicht angeboten. Auch wenn es jemand ist, der ein festes Einkommen hat und seine Rechnungen regelmäßig bezahlt.

Und darin liegt die Gefahr. Niemand kann exakt sagen, welche Merkmale zu einer Einstufung führen können oder nicht. In der heutigen Zeit sind Computer Tag und Nacht damit beschäftigt, gigantische Datenberge nach Gemeinsamkeiten abzusuchen und Merkmale daraus abzuleiten. Bestes Beispiel sind die Suchergebnisse von Google. Tatsächlich kommt das Suchergebnise dem gesuchten oft so nahe, das man es für eine menschliche Entscheidung halten könnte.

Wie oft klickt man aber auf Ergebnisse, die man als Mensch dann einfach nur als puren Schrott für die Frage empfindet? Eine der größten Gefahren der heutigen Welt ist, das menschliche Beurteilungen immer mehr an Computer delegiert werden. Die Börsenmärkte sind ein schönes Beispiel.

Dann ist es doch richtig, wenn ich weder in Facebook noch sonstwo etwas von mir veröffentliche

Leider ist es eben nicht mehr so, das man seine Person schützen kann, indem man sich aus dem Datenmoloch Internet herauszuhalten versucht. Fast jeder kann seinen Namen eintippen und wird fündig. Und wenn es nur veröffentlichte Adresseinträge von Telefonanbietern sind. Meist sind es aber noch andere Informationen. Schon mal den eigenen Namen in Google eingetippt?

Google & Co. sind Datenfresser und geben ungerne wieder frei, was sie einmal haben. Sie stellen dem Suchenden alles zur Verfügung, was sie im Netz finden können.

Immer, wenn ich zu dem Thema spreche, nehme ich gerne folgendes Beispiel: Sexkommentare werden mit meinem Namen unterzeichnet. Was kann ich tun?

Jahrelang hat die Dame darauf geachtet, dass ihr Name möglichst nirgendwo im Netz erscheint. So war es für den üblen Stalker ein leichtes, weltweit nach Gästebüchern oder Pinwänden zu suchen, die Einträge ohne Kontrolle sofort veröffentlichen. Und da Google nichts über sie gefunden hat wurde halt das präsentiert, was zu finden war. Ihre "Leidensgeschichte" braucht zwar Zeit zum Lesen, dürfte aber einigen die Augen öffnen.

Eine Identität im Netz kann man nicht zuverlässig  vermeiden, man kann sie aber steuern.

Selbst jemand, der Dennis Müller heißt, kann sich nicht mehr darauf verlassen, hinter den vielen Müllers in Google zu verschwinden. Denn es ist ein leichtes, die Suchergebnisee weiter zu filtern. Was jeder kennt, ist einfach den Namen der Stadt daran zu hängen. Wie aber schon oben bei der Rasterfahndung erklärt, können es mehrere und ganz verschiedene Merkmale sein, die exakt die Person definieren.

Der Stalker aus dem Beispiel ist nur die krasseste Version und nicht mal besonders klug. Ein Datenfachmann, der die Welt von Google versteht, hätte hier wesentlich feiner Daten "gefälscht". Dies soll hier kein Stalkerkurs werden, aus diesem Grund werde ich hier nicht näher darauf eingehen, wie man wesentlich geschickter der Frau hätte Schäden zufügen können, möglicherweise ohne das sie es selbst bemerkt hätte.

Es ist mittlerweile eine eigene Branche geworden, Identitäten im Internet geschickt zu steuern. Der Fachbegriff ist "Reputationsmanagement".

Sein dein eigener Reputationsmanager

Wenn man sich also weder vor dem Erscheinen der eigenen Person im Internet und sogar nicht einmal vor solchen Stalkern schützen kann, was bleibt einem dann überhaupt?

Und hier ist der Grund, warum der erste Absatz provokativ mit "Denken des vorigen Jahrhunderts" überschrieben ist. Denn die einzige Gegenmaßnahme ist, im Internet ganz gezielt Infomationen zu steuern. Das geht nur, wenn man selbst ganz gezielt Informationen über sich weitergibt.

Ich hatte zu Beginn des Internets ein ganz großes Interesse daran, das man bei der Suche nach mir merkt, das ich von meinem Beruf etwas verstehe. Zu dieser Zeit habe ich aufgehört, in Computerforen einen Nicknamen zu nutzen. Noch heute findet man in Google über 10 Jahre alte Beiträge von mir. Kann sein, das mir das interessante Kontakte gebracht hat.

Der nächste Schritt war dann, mir meinen eigenen Namen als Domaiin zu sichern. Google streitet es zwar ab, aber man sieht an den Ergebnissen häufiger, das der Domainname durchaus noch einen Einfluss auf die Position hat. Auf diese Seite muß man nun auch etwas schreiben. Am Anfang gab es deshalb dort nur berufliche Qualifikationen zu sehen.

Mittlerweile gehe ich mit dem Internet sehr bewußt um und nutze die Möglichkeiten, etwas über mich preiszugeben. Aber eben sehr gezielt und durchdacht. Es ist nun selbst für jemanden, der böse Gerüchte über mich lediglich nur herumerzählt, recht schwierig geworden. Weil man nur in Google suchen muß, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Oder eben in Facebook.

Auf den ersten Blick erscheint mein Profil sehr öffentlich und öfter höre ich mal den Vorwurf, deshalb selbst die Einstellungen nicht zu kennen. Es ist zwar viel, aber eben wohl überlegt. In Wirklichkeit sind nur etwa 50% meiner Postings öffentlich. Ebenso von meinen Fotoalben. Fotos von Parties sehen nur 20 gut bekannte  Personen.

Aber: Es exisitert kein Foto, das mich oder einen Freund in einer herabwürdigenden oder rufschädigenden Weise zeigt. So etwas würde ich nie ins Internet hochladen, egal wohin und schon gar nicht in Facebook.

Denn in den Nutzungsbedingen hat jeder zugestimmt, das ein Fehler in Facebook vorkommen kann. Und so könnte dadurch schon heute Nacht das Album der Partybilder für jedermann sichtbar sein.

Lernen, wie andere Denken

Was einem selbst harmlos erschient, mag für jemand anderen etwas ganz anderes bedeuten. Seitdem ich mein Profil abonnieren lasse, erhalte ich auch Kommentare von Leuten, die mir völlig fremd sind. Ich lerne ständig neues dazu.

Ich hab mir vor vielen Jahren einen Chopper gebaut.  Für mich ist das ein Genuß. Für jemand anderes ist das vielleicht die Erinnung daran, einmal in Konfilkt geraten zu sein mit einem Rocker, die sowas ja auch fahren. Ich hab mich deshalb lange gesträubt, das Album auf öffentlich zu schalten. Vor einger Zeit habe ich das getan und gemerkt, das ich im vorigen Jahrhundert gedacht habe. Denn das man mir nun nicht mehr vertraut, konnte ich nicht feststellen. Denkt trotzdem immer daran, das etwas von anderen Menschen ganz anders empfunden wird, als ihr es vielleicht tut. Justin Bieber ist für den einen höchster Genuß, der andere mag ihn nicht.

Facebook ist ein tolles Mittel, seine soziale Kompetenz weiter zu entwickeln, indem man Feedback von anderen bekommt. Achtet auf die Reaktionen anderer auf eure Posts und lernt daraus.

Der Mann mit der Maske

es gibt ein weiteres Beispiel, das ich gern nenne. Wenn ich jemanden im realen Leben kennenlerne, der eine schwarze Maske trägt, die Arme vor dem Körper verschränkt und nichts sagen, aber zuhören will, so weckt das mein Mißtrauen.

Wenn ich die Person nicht persönlich kenne, würde ich hier keine Freundschaftanfrage von jemandem annehmen, der seine Person hinter einem unkenntlichen Profilbild und einem leeren Profil versteckt. Bei mir erzeugt das Mißtrauen. Könnte das umgekehrt nicht ebenso sein? Ein Grund für das Mißtrauen gegenüber Facebook selbst ist, das sie nichts preisgeben. Kennt jemand Details von Herrn Zuckerberg? Schon mal in sein Profil geschaut?

Gezielt informieren und abwägen

Zusammenfassend läßt sich sagen, das ich den Versuch, sich selbst zu verbergen, für gefährlich halte. Ich vertrete die Ansicht, das man heute besser damit fährt, gezielt Dinge über sich preiszugeben, bevor es jemand anderes tut und womöglich falsch. Ich kenne nun mehr Menschen persönlich als vor Facebook. Mir hilft es, neue und interessante Leute kennenzulernen. Und es hilft mir, mich durch die Augen von anderen zu sehen und dadurch mein Handeln zu verbessern.

Dieses Freigegeben von Informationen muß man sicher nicht so betreiben, wie ich es tue.  Ich arbeite daran, beruflich viel mehr aus Facebook zu machen. Denn mir machts tatsächlich Spaß. Vielen liegt es aber gar nicht, sich so zu "outen" und das verstehe ich vollkommen.

Ungewöhnliche Einstellungen sind aber oft eine Möglichkeit, die eigene zu überdenken. Man muß es nicht genau so machen wie ich, aber sollte drüber nachdenken, warum ich es tue.

Konkrete Tips gegen die falschen Daten im Netz:

Dinge entfernen aus Google

Google bietet ein Tool, mit dem man Inhalte entfernen kann. Aber es klappt nur nach Anmeldung und wenn der Inhalt tatsächlich nicht mehr da ist. Eine Seite muß also vollständig gelöscht sein. Kann man unter der Adresse noch etwas aufrufen, nutzt das Tool nichts. Wenn ein Inhalt im Web aufrufbar ist, könnt ihr bei Google nichts erreichen, ihr müßt an den wenden, der die Info öffentlich macht. Mittlerweile gibt es zwar auch ein gesetzliches Recht, Daten aus Google zu löschen und ein passendes Formular, es ist aber umständlich.

Google "füttern"

Habt ihr Freude mit eigener Homepage? Oder könnt ihr irgendwo etwas öffentlich posten? "Füllt" die Lücken in Google und zwar mit Dingen, die ihr selbst bestimmen und steuern könnt.

In der Privatsphäre die öffentliche Suche auf aus gestellt

Diese Einstellung bewirkt nicht, das nichts was ihr schreibt in Google zu finden ist. Sie verhindert lediglich, das euer Profil nicht zugreifbar ist, solange man nicht in Facebook angemeldet ist. Probierts aus: Einfach abmelden und verschiedene Seiten aufrufen. Wenn ihr dort gepostet habt, kann man das dann dort sehen. Und Google auch. Mitsamt dem kleinen Profilbild.

Facebook allgemein

Vertrauen erweckend ist Facebook auf keinen Fall. So gesehen kann man es ihnen sogar postiv anrechnen, das sie oft sehr dreist die sogenannte Privatsphäre ändern. Denn im unter solchen Umständen kann niemand behaupten, das nicht geahnt zu haben. Im Zweifelsfall klickt ganz unten hier auf die Nutzungsbedingungen und da auf Punkt 15: "WIR GARANTIEREN DIE SICHERHEIT VON FACEBOOK NICHT. FACEBOOK IST NICHT VERANTWORTLICH FÜR DIE HANDLUNGEN, INHALTE, INFORMATIONEN ODER DATEN DRITTER"

Also selbst wenn es nicht mit Absicht geschieht: auch durch einen Fehler kann jederzeit etwas, das andere nicht sehen sollen, sichtbar werden. Das ist übrigens weder ungewöhnlich noch neu. Solche oder ähnliche Klauseln findet ihr auf jeder sozialen Plattform. Selbst in den AGB "normaler" Software steht immer drin, das eine Fehlerfreiheit nicht garantiert wird.

Facebook Freunde

spätestens seit Einführung des Tickers sollte jedem klar sein, das Freunde auf Facebook wirklich sein sollten, was das Wort bedeutet. Freunde können deutlich mehr von euch sehen als andere, und einges davon kann man auch nicht verbergen. Im Zweifelsfall den "Mann mit der Maske" von oben einfach ablehnen.

Besonders gilt das für Unternehmen, die fälschlicherweise hier ein Personenprofil haben. Lest dazu diesen Artikel

Facebook Sicherheit des Kontos

wenn jemand in Facebook etwas schreibt, wird es auch für ein Erzeugnis des Verfassers gehalten. Deshalb solltet ihr sicher stellen, das niemand Zugang zu eurem Konto bekommt. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn jemand in eurem Namen beleidigende oder indiskrete Äußerungen machen kann. Besonders wenn der Chef in der Freundesliste steht. Denn die Empfänger sind ja echte Menschen, die ihr kennt und die glauben, was sie sehen.

Es gibt eine Möglichkeit, sein Konto vor Hackern zu schützen: Login per SMS Code bestätigen

Klarnamen nutzen statt meiden

Manch einer ist bestrebt, möglichst nicht mit seinem echten Namen im Internet oder auf Facebook zu erschienen. Wie im Beispiel oben genannt, wird eine Person dadurch aber angreifbar - indem andere falsche Informationen mit diesem Namen verbreiten. Findet Google nichts anderes, zeigt er als erstes bei der Suche nach dem Namen dann das koreanische Gästebuch.

Ein Facebook mit echtem Namen ist eine Chance aktiv auf das eigene Bild zuzugreifen und es zu gestalten, ohne eine eigene Homepage zu haben. Bei der Suche nach einem Namen ist Facebook oft an den obersten Stellen. Man kann das kritisieren oder als Möglichkeit sehen. Mit einem Fake Namen vergibt man diese Chance.

Zum Schluss: Google+ als Alternative?

für die meisten, die das gemacht haben ist es mittlerweile uninteressant. G+ versäumt eine Menge von dem, was ein soziales Netzwerk interessant macht.

Ich selbst vertraue Facebook kein bißchen, aber den Googles noch viel weniger. Das hat einen einfachen Grund: Wer im Web surft, hat das vielleicht schon einmal bemerkt. Auf vielen Webseiten ist die Google Werbung eingebunden. Fast magisch erscheinen dort Artikel, nach denen ihr kurz vorher auf Google gesucht habt. Das ist möglich durch einen sogenannten Cookie, den Google auf euer Festplatte speichert und mit dem er euch wiedererkennen kann. Google konnte aber nie ermitteln, wer zu diesem Cookie gehört. Wenn ihr ein G+ Konto habt, dann können sie das. Dinge sexueller Art wird Facebook vielleicht von euch nie erfahren. Wenn ihr sie aber in Google sucht, dann ist die Verknüpfung mit euerem Personenkonto dort möglich. Auch aus diesem Grund gibt es kaum Postings von mir auf G+. Falls Facebook aber einmal völlig "durchdreht" sind wir vielleicht froh über die Alternative.  Denn Konkurenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern paßt auch genau auf was passiert.

Was eure Identität im Netz betrifft müßt ihr selbst aufpassen. Zwar nicht allem zustimmen, was hier gesagt wurde, aber es viellecht einmal mit diesen Augen betrachten und für euch einen Weg finden.

Ich habe letztens einen tollen Spruch gefunden: Wenn man für etwas nicht bezahlt, ist man selbst die Ware

 

 

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