Erstmal eine Warnung - diese Artikel ist nichts für Leute, die dem Thema generell ablehnend gegenüberstehen, sich mit Adblockern "schützen" wollen oder deren Aversionen nicht durchdacht sind. Dieser Artikel beruht auf keiner egozentrischen Sichtweise sondern ist von jemandem verfaßt, der sich damit beschäftigt und der beide Seiten kennt.

Der "Betrieb des Internet" kostet Geld. Um in Facebook kostenlos seinen Senf abgeben zu können, muss das bezahlt werden - mit Werbung. Im Jahr 2012 wurden für Online Werbung 29 Mrd. Euro ausgegeben.  Diese Zahl einfach durch die Anzahl der Nutzer geteilt - und mir bitte den Betrag überweisen.

Was ist Werbung generell?

Werbung gab es schon in der Antike. Jede Taverne nagelte ein Schild über die Tür - "Hallo, hier sind wir".

Es wurde niemand gezwungen in die Taverne einzukehren. Und diese Werbung war schon zielgruppenorientiert - worauf wir später noch zur Sprache kommen werden:  Menschen, die sich an diesem Ort befinden.

Allerdings nur zum Teil. Das Schild sehen ja auch Priester, Kinder und andere.

Je nach Gestaltung ist so eine Werbung preisgünstig. Denn man zahlt nur 1 mal für die Produktion des Werbemittels, unabhängig davon, wie viele es sehen.

So ist es auch für andere. Der Schumacher hängte sein Schild an die Straße. Vom Ursprung her ist Werbung generell nichts falsches - wer mit kaputten Schuhen da steht, wird froh sein einen Schumacher zu haben - bzw. durch die Werbung von ihm zu erfahren. Es ändert aber nichts daran, wie die Dinge, die der eine für den anderen tun kann, sein sollten. Auch der schlechte Schumacher kann ein Schild aushängen. Den eigenen Kopf kann Werbung einem nicht abnehmen.

etablierte Werbemedien - von damals

Wenn jemand seine Taverne nicht nur in der eigenen Straße bekannt machen wollte, sondern in der ganzen Stadt, konnte er zunächst weitere Schilder an anderen Orten aufhängen.

Dann kam die Erfindung des Drucks. Es entstanden Zeitungen - etwas das Menschen gern lesen. Und man konnte Handzettel erzeugen - Schilder im Miniformat, die man sogar mitnehmen und sich zur Seite legen konnte.

Die klassischen Medien heißen in der Fachsprache "Print Medien". Wenn viele Menschen etwas so interessant finden, das sie es lesen, so ist es für einen Anbieter wünschenswert, dort auch zu finden zu sein.

Jemand der Werbung macht ist ein Anbieter - also jemand, der für andere etwas tut. Ob es sich um ein Produkt oder eine Dienstleistung handelt.

Später kam dann das Radio und dann das TV. Auch hier ist das Prinzip das gleiche: Jemand erzeugt Interesse - und jemand anderes bezahlt dafür, das ein Teil davon auf seine Werbung geleitet wird.

Und auch hier ist die Zielgruppe wieder interessant. Denn es ob Zeit in einer Sendung ist oder Platz in einer Zeitung - es kostet Geld und die Anzahl der Plätze ist begrenzt.

Die Zielgruppe

Handzettel nun nach London zu schaffen und dort verteilen zu lassen, ist für die Taverne in Essen ziemlich uninteressant. Denn wer aus London reist einmal in diese Stadt? Und er muss ja gleichzeitig auch in eine Taverne gehen wollen.

10 000  Handzettel kosten viel Geld - das der eine Besucher, der vielleicht kommt, nicht wieder einbringt.

Werbung per Internet

Mit dem Internet kam eine weitere Form dazu. Statt auf Anzeigenseiten wird auf dem Computermonitor geworben, wenn sich jemand einen Inhalt ansieht. Da Web-Inhalte ja selten etwas kosten, wird ihre Entstehung dadurch bezahlt, dass Werbefläche verkauft wird.

Interessant ist hier die Zielgruppe. Sagen wir mal, jemand der Beton herstellt hat eine neue Sorte entwickelt - ich fände es schön z.B. wenn es farbige Varianten gäbe.

Die Tagsezeitung ist für den eine eher schlechtes Medium. Von den sagen wir mal, 10 000 gedruckten Exemplaren, werden ja nur wenige von Menschen gelesen, die über Betonsorten zu entscheiden haben. Den Druck finanziert er aber für alle mit.

Eine Zeitschrift speziell für Bau wäre da interessanter. Und ist es auch heute noch!! Es ist auch ein bißchen - ähh - doof, vor lauter Internet die klassische Werbung zu ignorieren.

Im Internet können Inhalte aber preiswerter hergestellt werden - man braucht keine Druckmaschine, keine Tranportwege und keine Verkäufer vor Ort -  Inhalte lassen sich sogar von Einzelpersonen herstellen, die nur kundig sein müssen - da gab es mal einen Herrn Zuckerberg.

Ich habe jetzt nicht geschaut, aber vielleicht gibt es sogar eine spezielle Webseite für Menschen, die mit Beton bauen. Auf solch einer Seite könnte der Betonhersteller 100 % seiner Zielgruppe erreichen.

Diese Menschen lesen aber auch "Massen" Web Inhalte und haben die Beton Seite vielleicht noch gar nicht entdeckt. Es wäre schön, wenn man sie dort erreichen könnte - aber eben ohne den 99%, die das nicht interessiert, das auch noch zu zeigen.

Zielgruppe erreichen bei Google

Klassisches Beispiel für allgemeine, eher in die Breite streuenden Werbeplätze, wäre Google - ist es aber nicht ausschließlich.  Fast jeder Internet Benutzer ruft die Google Seite täglich auf - welch ein Traum für die kleine Taverne in Essen, wenn man dort ganz oben auf der Seite erscheinen würde.

Aber das wäre wie die Handzettel in London - nur ein minimaler Bruchteil der Leute, die das sehen, würden kommen. Auch Google hat nur eine begrenzte Zahl dieser Pätze - mehr als 1-3 Seiten sieht ein Besucher selten, bevor das eigentliche Ziel geklickt wird.

Wie soll die kleine Taverne auch nur einen Tag diesen Aufwand für die Erstellung der Suchmaschine mit all seinen Servern und Programmierern bezahlen können?

Deshalb war Googles Idee so revoutionär und er ist deshalb einer der "Giganten" geworden. Denn Google bietet die Möglichkeit, Zielgruppen per Suchwort zu erreichen. Die Anzeige wird also nur gezeigt, wenn jemand nach "Beton" sucht - oder nach "Taverne Essen". Dann zahlt man nur für die Klicks, die auch von der Zielgruppe kommen.

Der "Trick" bei Google ist es, mit den Suchworten richtig umzugehen. Es wäre ja auch eine Idee, "Party Essen" zu versuchen. Nur - wenn in meiner Taverne hauptsächlich Schlager laufen, erreiche ich nur einen Teil meiner Zielgruppe - kein Metal Fan wird meine Anzeige klicken - ausser wenn ich dreist Lüge oder schlicht vergesse, "Schlager" im Text meiner Anzeige zu nennen.

Dann aber zahle ich für Klicks von Leuten, die dann eh nicht kommen. Packen wir also doch einen Stapel von Handzetteln in den Flieger nach London ;-)

Zielgruppe nicht erreichen

Hätte ich ein leckeres Restaurant, wäre es für mich schon sehr interessant, in Essen zu werben - einfach weil das für fast alle Google Nutzer in Frage kommt. Aber vielleicht sucht auch jemand aus Holland nach Essen, der ein Ingenieurbüro hier sucht und selbst gar nicht hinreisen will.

Oder noch schlimmer: jemand sucht nach Essen und Trinken - aber in New York.

Tatsächlich kann man bei Google auch regional einschränken: Nur Besuchern zeigen, die auch grade in Essen sind. Klappt halbwegs gut, aber eben nicht genau. Kenner unserer Seite werden sich vielleicht an den Artikel zur Positionsbestimmung per IP Nummer erinnern.

Noch schwieriger wäre es, z.B. alle Rentner zu erreichen - weil man ein neues Galama verkauft oder eine neue Gehilfe. Suchen die das Wort "Rente"? Oder erreicht man zu 90% damit junge Menschen, die ihre Zukunft planen?

Zielgruppe erreichen per Facebook

In Google erreicht man die, die sich gerade für eine spezielle Sache interessieren. Und Facebook ist deshalb der zweite Gigant geworden. Denn während der Google Nutzer im Prinzip anonym ist (obwohl Google eine Menge dafür tut, ihn etwas klarer zu haben, z.B. Cookies oder auch Google +) ist der Facebook Nutzer ja bekannt.

Wenn ich hier eine Anzeige starte an Menschen über 60 dann kann ich mir recht sicher sein, das das bei den meisten auch stimmt. Wer trägt sich schon falsch in Facebook ein außer einigen Scherzbolden?

Und es ist ja noch mehr bekannt: Gefallen dem Benutzer z.B. Seiten von diversen Schlagerstars?

Das wäre doch ideal für die Taverne: Nutzer die in Essen wohnen und gern Schlager hören.

Das ist der "Trick" von Facebook.

Aber die Privatsphäre?

Schon richtig: Es geht andere prinzipiell nichts an, ob Tante Erna aus Herne auf SM-Sex steht. Aber eben: Tante Erna ist nur eine - und die ist als solche für den Hersteller von SM Speizeug nur wenig interessant - weil es nur eine ist. Es heißt ja auch "Zielgruppe" - Zielperson ist ein Wort der Polizei.

Produkte brauchen Käufer - und das möglichst viele davon. Der einzelne ist viel weniger interessant als vielleicht von einigen gedacht wird - nur dass er zu einer Gruppe gehört.

Natürlich wäre es für die Polizei brennend interessant, alle Moslems in Deutschland zu kennen, die im letzten Jahr ein Training in arabischen Ländern absolviert haben. Oder alle mit vollem Namen, denen eine Seite mit verbotenen Porno Inhalten gefällt.

Aber - Facebook bekommt nur dann Geld von Kunden, wenn Werbung auch funkioniert. Und das tut sie nur dann, wenn eine Zielgruppe auch als solche zu erkennen ist.

Die NSA Affäre war für Zuckerberg bedrohlich - nicht weil in Facebook Informationen z.B. über arabische Trainingscamps nicht eingegeben werden. Auch Lieschen Müller fühlt sich nun von der NSA bespitzelt und schreibt "sicherheitshalber" nichts über ihren Friseurbesuch und meidet das "Gefällt mir" auf dessen Fan Seite. Für Syos Shampoo ist das schade.

Werbung die nervt

Das Internet gibt es ja noch nicht so lange. Im Gegensatz zum Buchdruck befinden wir uns noch in der "Steinzeit".

Es gibt Webseiten wie eine billige Taverne im Vergnügungsviertei: Da steht jemand davor und zieht einen am Ärmel rein. Werbebanner drängen sich auf und müssen weggeklickt werden. Zig Zusatzfenster öffnen sich.

Und auch Google und Facebook sind betroffen: Viel zu oft sieht man Werbung, für die man einfach keine Zielgruppe ist. Das liegt aber nicht an den Seiten selbst, sondern an den (sorry) Deppen, die Werbung schalten.

Ich hatte vor einige Zeit einen "Kunden", der wollte bundesweit bei "auotankauf" auf dem ersten Google Platz erscheinen - aber nicht als bezahlte Werbung, sondern durch "Suchmaschinenoptimierung". Seine Google Werbung "war teuer und brachte nix".

Für mich wie ein "Ärmelzieher" vor einer Taverne. Geschäftlich kamen wir nicht zusammen - aber das macht nichts.

Umgekehrt sind mir auch Nutzer von Ad Blockern unangenehm - weil sie versuchen, die 150 Pixel Werbefläche auszublenden um ausschließlich die 90 % Inhalte zu sehen.

Mag sein, das Zuckerberg Miiliardär ist - aber eben nicht durch "Ärmelzieher". Die unendliche, psychische Belastung durch Web Werbung tut mir leid - aber diese Werbetreibenden finanzieren nun mal das Vergügen, eine relativ gut funtkionierende Facebook Seite ansehen zu können.

Und - durch die Abneigung gegen Werbung generell fördern Adblocker ja auch die "Ärmelzieher" - weil sie auf einer Seite bleiben, die man normalerweise einfach wegklickt. Ich nehme immer eine Pistole mit - auf Ordner beim Rock Konzert kann verzichtet werden.

Hätte es Adblocker schon im Mittelalter gegeben, hätte man Galileo unter den Werbeanzeigen nie entdeckt - weil einen  Werbung generell nicht interessiert und sie grundsätzlich unerwünscht ist - was soll der Quatsch mit der runden Erde?

Sorry, ich mag Adblocker nicht. Weil deren Nutzer für mich einfach mittelalterlich sind und das Internet daran hindern, sich weiter zu entwickeln. "Ich möchte gerne alles umsonst und werde durch Werbung psychisch belastet - und blende die, die dir dein Geld bringen aus - du bist schon reich genug. Und auf Rock Konzerten schieße ich." 

Bei Google Werbung wie auch bei Facebook empfinde ich Werbung oft nicht als passend - aber bei Facebook z.b. kann ich sie ja ausblenden und dadurch verbessern. Aus den bereits oben hinlänglich beschriebenen Gründen ist das für Facebook sogar wünschenswert - die "Verschwörung mit der NSA zu für schlechte Werbeanzeigen" existiert schlicht nicht.

Fazit:

Wir sind in der Steinzeit. Werbetreibende wollen "Alles" und "vermatschen" unsere Facebook Seite mit Werbung, die nicht trifft. Und Google Ergebnisse mit dummen Zeug, das nicht interessiert.

Nutzer greifen deshalb manchmal zu Ad Blockern, halten sich für "Experten" und den Blocker für etwas, das sie als solchen kennzeichnet. Am liebsten würden sie alle Bekannten damit "beglücken".

Ich betreue zur Zeit die Werbekampagne für die Holograhic Universe in Lüneburg - täglich kommen da 5-10 Zusagen auf FB auch durch Werbeanzeigen. Einen Veranstalter in in Essen hab ich vor einiger Zeit mal gefragt, warum er seine Events nicht schon so in Facebook anlegt, kostet nicht und ich habe sogar einen Artikel darüber, wie es geht. Antwort: "Die Events kannst du doch auf unserer Webseite finden". Ein halbes Jahr später macht er jetzt Veranstaltungen in Facebook - und wirbt in der Tageszeitung.

Meinen Job mache ich sehr gerne, aber jetzt im Mittelalter erzeugt er oft einfach Kopfschmerzen.

"Es gibt kein Mittel gegen Tuberkolose, deshlab lehne ich jede Werbung für solche Medizin ab.  Wer zum Teufel ist dieser Robert Koch?"

und die andere Seite:

"Ey, ich will Millionen Kunden - aber Google Werbung bringt mir nichts. Isch hab bundesweit insereirt für meine Gebrauchtwagenbude - ey, bringt nix und kost viel Geld."

Ich persönlich würde gerne nach Lüneburg fahren oder besser noch hier auf einer Party sein, die so toll ist wie die Holographic Universe - obwohl ich nicht mal die Musikrichtung höre. Aber im Ruhrpott ist noch nicht mal ein Veranstalter bislang in der Lage gewesen, mir von Facebook so eine Anzeige einblenden zu lassen.

Und in meinem Terminer auf Ruhrlink.de habe ich letztens gesehen, das was tolles auch hier stattfindet - leider zu spät gesehen.

Am Dienstag fahre ich zu einer größeren Insitution in Essen, weil ich denen vielleicht eine Anlage bauen kann - wir werden es sehen, ob es paßt. Gefunden haben sie mich aber - über eine Google Werbung.

Und gestern hab ich mir aufgrund einer Anzeige eine Webseite angeschaut - brauche ich grade und vielleicht werde ich da was kaufen - ist in der Nähe.

Werbung finde ich gut - auch wenn sie heute oft schlecht gemacht ist. Und manche Ehen im Bekanntenkreis wurden deshalb geschlossen, weil man sich in der Disko getroffen hat - zu der man aufgrund der Werbung fuhr. Nicht jeder Disko Besucher heiratet danach - aber soll man deshalb von neuen Läden in der Umgebung nicht mehr erfahren? Oder soll der Besitzer die Werbung einstellen?

Werbung ist gut - wenn sie gut gemacht ist. Beruflich arbeite ich darauf hin, mehr davon für Leute zu machen - aber ich laufe halt mit dem Handy in der Steinzeit herum. Und lasse mir für diesen kritischen Artikel nun Keulen auf den Kopf hauen.

Mir aber egal. Ich würde am liebsten nach Lüneburg fahren und jedem Gast einzeln die Hand schütteln, den ich auf diese Party geholt habe. Denn da zumindestens ist die Steinzeit schon etwas länger her. Ich denke aber, sie würde mir danach die Hand schütteln - weil sie durch mich von der tollen Party gehört haben.

Na ja, und wer meine Gründe hier etwas nachvollziehen kann, teilt vielleicht sogar diesen Artikel -  wäre Zeit das die Steinzeit endet.

 

 

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